Schluss mit dem täglichen Weltuntergang
3. Dezember 2019
Virtual Reality Unbound –
4. Dezember 2019

The Mobile State of Mind

Von Sina Schäfer und Nino Taubmann

Dirk von Gehlen hielt die Eröffnungs-Keynote beim MMD19

Am 18.11. 2019 fand bereits zum 7. Mal in Folge der Mobile Media Day im Vogel Convention Center in Würzburg statt. Frei nach dem diesjährigen Motto: „Discover New Experiences“, von Virtual Reality über neue Formen des Storytelling, bis hin zu Influencer-Marketing konnte man Vorträge mehrerer bekannter Referenten anhören. Als einer der bekanntesten Redner startete der Leiter der Abteilung Social Media & Innovation der Süddeutschen Zeitung, Dirk von Gehlen. In seiner Keynote: „The mobile state of mind“, behandelt er 12 Dinge, die mobil denkende Menschen tun. Es ging darum einen Überblick über die aktuelle Entwicklung der medialen Branche zu erlangen, die aus deutlich mehr besteht als nur dem Streben nach Aufmerksamkeit und Likes.

Plattformen sind Frenemys

Der erste Punkt seiner Aufzählung darüber, was mobil denkende Menschen tun, beinhaltete die These, dass mobiles Denken mehr ist als nur an „Handys“ zu denken. Es bezieht sich also nicht nur auf Endgeräte, sondern bedeutet, nie fertig zu sein. Somit hassen mobil denkende Menschen Handys. Des Weiteren verabscheuen sie Plattformen, da sie eine Abhängigkeit zwischen Erzeugern und der Plattform kreieren, aus der die Plattform an sich weitaus mehr Nutzen zeiht als die User an sich. Man kann sie also als eine Art Frenemy bezeichnen, da die Erzeuger auf die Plattform angewiesen sind um ein Publikum zu erreichen. Zudem wollen mobil denkende Menschen User-Probleme lösen und schauen somit aus deren Perspektive auf die Welt. Sie wissen also gar nicht, dass sie mobil denken, sie denken aus der Nutzer-Perspektive heraus.

Mobil denkende Menschen leben in dem Wissen, dass mobil mehr als nur ein Bildschirm ist. Sie denken in der Post-Screen-Era und sind sich bewusst, dass der Bildschirm nur eine Übergangslösung darstellt. In der Zukunft sind auch Kleidung, Uhren etc. mit dem Internet vernetzt. Für von Gehlen wird die Stimme das wichtigste Steuerungsmittel, im Gegensatz zur aktuell benutzten Touch-Funktion. Mobil zu denken heißt aktuell auch, in Stories zu denken. Der Reiz hierbei liegt in der leichten Verdaulichkeit und der Verknappung auf 24h. Auch denken die Menschen in einer Art flüssigen/mobilem Aggregatszustand, dass Inhalte nicht abhängig vom Medium sind. Beispielsweise müssten Podcasts eigentlich mittlerweile Phone-Cast heißen.

Innovation ist etwas Gutes

Mobil denkende Menschen haben das „digital mindset“ mobil gemacht, indem Überforderung nicht als Problem, sondern als eine Art Default-Modus unserer Zeit angesehen wird. Hinzu kommt, dass sie keine Angst vor Neuem haben, da sich alles stetig weiterentwickelt und verändert für mehr Innovation. Als Beispiel nennt von Gehlen, dass Twitter seinen Textumfang erweitert hat, Instagram die angezeigte Anzahl der Likes streicht und Facebook jetzt auf Privatsphäre und Gruppen setzt. Des Weiteren wird Rastlosigkeit an sich regelrecht zelebriert. Frei nach dem Motto: „Wir lernen nur dazu, wenn wir Verstörung zulassen!“ wird die Möglichkeit Neues zu entdecken als Startschuss für mobiles Denken gesehen.

Als 10. Punkt nennt von Gehlen das Denken in Interaktionen: Mobiles Denken sei das Gegenteil von einem Masterplan- Denken, bei dem in einem Prozess von Bauen, Messen und Lernen das anschließende Ausprobieren im Vordergrund steht. Im Anschuss zitiert er Wolf Lotter, indem er die Innovation als berechtigten Anlass für die Hoffnung beschreibt, dass es besser wird, dass die Zukunft existiert und die Welt verbessert werden kann. Mobil denkende Menschen haben also Hoffnung.

Als letzten und wichtigsten Punkt führt er an, dass Bildung die Fähigkeit sei, Dinge aus der Perspektive eines anderen zu betrachten. Und somit mobil denkende Menschen ihre Meinung immer wieder reflektieren und stets glauben, dass auch das Gegenteil oder eine andere Meinung richtig sein könnte.

 

„The mobile state of mind“ ist also nicht ein Kampf nach Aufmerksamkeit auf mobilen Endgeräten, sondern eher eine Evolution hin zu Weltoffenheit und der Fähigkeit das eigene Handeln stetig zu hinterfragen.